Dienstag, 27. März 2012

Unterwegs ohne GPS


Unterwegs ohne GPS

Schweissperlen auf der Stirn. So brause ich los. Bin viel zu schnell. Und braune Locken tanzen im Fahrtwind. Noch ist es kalt. Kälter als ich dachte. Und es ist März und ich bin auf der Flucht. Ein unmöglicher Versuch, ein lächerlicher sicher!

Häuser ziehen vorbei. Strassen und Menschen. Viele zuerst, dann immer weniger. Ich inhaliere die Kälte. Lasse sie langsam gleiten, hinunter, bis tief in meine Lungen. Und in meinem Kopf schwirren die Gedanken, fast als wären sie Wespen. Was ist bloss Wahrheit und was ist nur Wunsch?

Ich schalte das Radio ein, mehr aus Gewohnheit wohl. Und die Musik, die spielt, so wie sie immer spielt. Sie erzählt mir Geschichten. Geschichten wie die meine. Geschichten vom Leben, Geschichten von der Hoffnung und von der Sehnsucht irgendwo anzukommen.

Doch ich komme nicht an. Komme niemals an, komme nirgendwo an. Ich brause weiter die Strasse entlang. Trete das Gaspedal durch auf einer Flucht, die keine ist. Und ich bin wütend. Bin wütend auf mich selbst. Oder auf mein Leben? Und braune Locken winden sich, tanzen im Fahrtwind Stakkato.

Schneller. Immer schneller will ich weg von hier. Weiter, immer weiter weg von hier. Weiter weg von mir.

Und die Wespen schwirren unbeirrt. Schwirren, kommen und gehen, scheinbar ohne System. Bilder tauchen auf und Bilder verschwinden. Fast wie Blitze, eben noch hell und gewaltig, dann weg. Gefressen von der Dunkelheit.

Die Landschaft verändert sich. Was bleibt ist das Gefühl von Verzweiflung. Inzwischen riecht es anders, ungewohnt und doch so vertraut. Und die Sonne zeigt sich golden, entblösst wirre Muster in der Windschutzscheibe.

Und mit jedem Kilometer schreit es in mir. Und mit jedem Kilometer vermiss ich dich mehr. Mit jeder Stunde die vergeht, auf meiner Fahrt ohne Ziel. Es ist die Fahrt durch mein Leben. Autobahnen, Bergstrassen, Nebenstrassen, Schleichwege – Einbahnen.
Das ist meine Welt. Eine Welt, in der es kein GPS gibt.

Verdammt!!! Bremsen quietschen. Stau!

Gefangen inmitten des Chaos. Gehupe und wilde Flüche an einem gottlosen Ort. Und es zerreisst mich, zerfleischt mich innerlich. Sag, denkst du jetzt an mich? Denkst du je an mich, dort wo du jetzt bist? Oder hast du mich verbannt, mich aus deiner Erinnerung gelöscht? 

Ich hoffe, es geht dir gut, dort wo du jetzt bist. Wünsche dir nichts als Glück und Frieden. Ich vermisse dich, vermisse dich bitterlich. Und mein Kopf sinkt aufs Lenkrad. Tränen tropfen. 

Keine braunen Locken tanzen im Fahrtwind Stakkato.

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