Dienstag, 20. März 2012

Von der bedingungslosen Liebe

Von der Liebe wird gerne behauptet, sie sei bedingungslos. Doch kann Liebe tatsächlich bedingungslos sein? Wie viele Stunden habe ich schon über dieser einfachen Frage gebrütet.

Wären wir Steine, Bäume, Lichtstrahlen oder vielleicht Berge, ich glaube ich würde die Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Vielleicht, weil ich nicht weiss, wie es sich anfühlt ein Stein, ein Baum, ein Lichtstrahl oder ein Berg zu sein. Doch ich weiss, wie es sich anfühlt, Mensch zu sein. Und deswegen werde ich die Frage, ob Liebe tatsächlich bedingungslos sein kann, wohl nie beantworten können.

Ich kann einen anderen Menschen zwar lieben, ich kann ihn verwöhnen, ich kann mich bemühen für diesen Menschen ein Fels in der Brandung zu sein. Ich kann für ihn verlässlich, vertrauensvoll, kritisch, lobend, unterstützend, behütend, und vieles mehr sein. Wenn nötig, gar mein Leben für ihn opfern. Doch Hand aufs Herz, wie lange schaffe ich es zu lieben, ohne Gegenliebe zu erhalten?

Man sagt, Liebe ist. Ja, Liebe ist. Philosophisch betrachtet zumindest. Theoretisch haben wir alle eine romantische Vorstellung von der gütigen, bedingungslosen Liebe. Doch im Alltag sind wir eben nur Menschen. Menschen mit Geschichten, Erfahrungen, Ängsten und Abgründen, die uns prägen und unseren Handeln beeinflussen. Und wäre die Liebe tatsächlich so einfach, wäre sie – wie eingangs erwähnt – bedingungslos, wäre sie dann ebenfalls zentrales Thema in einer Welt voller sorgenvoller, enttäuschter, verletzter oder gebrochener Herzen?

Die wenigsten von uns haben je die grosse spirituelle Erleuchtung erlangt. Und die wenigsten von uns haben das irdische Menschsein hinter sich gelassen oder sind zu einer Art Dalai Lama geworden. Selbst dann nicht, wenn wir uns täglich aufs Neue bemühen, gute Menschen zu sein.

Wir alle sind Menschen mit Wünschen, Sehnsüchten und Bedürfnissen, die erfüllt werden müssen, damit wir fähig sind, Liebe zu schenken. Kann Liebe deshalb tatsächlich bedingungslos sein oder ist Liebe nicht vielmehr ein Wechselspiel, ähnlich Ying und Yang? Kann Liebe ohne Gegenliebe im Alltag existieren? Vielleicht werde es irgendwann wissen...

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