Montag, 6. August 2012

vom Sommerregen


August. Die Luft ist satt und schwer, als wäre sie schwanger. Langsam gehe ich, Schritt für Schritt. Gemächlich setze ich einen Fuss vor den anderen. Und Musik spielt in meinem Kopf in Melancholie, fast als läge sie in Tränen. Noch sind die Strassen feucht vom letzten Schauer. Doch die Sonne brennt, saugt die Feuchtigkeit auf, wenn sie kraftvoll und mächtig durch die Wolken bricht.

Keine Menschenseele weit und breit. Klitzeklein bin ich hier, in den Armen der Natur, wie eine Ameise auf einer Reise durch die Sahara. Und kantige Steine unter meinen Füssen graben sich in meine Turnschuhe ein. Gedankenverloren, mit halb geschlossenen Augen, schlendere ich dem Ufer entlang. Und ich mache mich trunken von dieser herrlichen Luft.

Und die Wasseroberfläche funkelt golden und diamanten, wie ein prächtiger Schatz. Wolken flüchtig wie Gedanken reflektieren ihr Wechselspiel auf der Oberfläche des Sees. Und es riecht grün und modrig nach Wasser und Wald. So verliere ich mich und auch das Gefühl für Raum und Zeit. Meine Gedanken ziehen mit den Wolken, werden geküsst von der wärmenden Sonne und lösen sich auf – um sich Sekunden später neu und mächtig zu erschaffen. Und die Wolken türmen sich, reiben sich gegenseitig wie Liebende, getrieben vom Wind. Sie bauschen sich auf und werden grösser und gebaren, als spielten sie bedrohliche Krieger.

Und nun kann ich ihn riechen, süsslich und kühl. Es ist der Regen, er kehrt zurück. Nur einen Gedanken später, der erste Tropf auf meinem Haar, das sich jetzt kräuselt und windet. Tropfen für Tropfen küsst die Nässe meine Haut. So steh ich da, in Stille und Glück. Den Kopf gegen den Himmel reckend, tropfend und nass, kann ich nicht anders, als herzlich und ungehalten zu lachen. Und ich drehe mich wie ein Kind, schneller und schneller im Kreis. Alltag und Schwere, Sorgen und Schmerzen, abgewaschen vom Sommerregen. Und nun bin ich leicht. Und nun bin ich frei. So ist es, das Glück.

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