Montag, 10. Juni 2013

Sicherheit

Ich bin ohne Arbeit. Das erste Mal in meinen Leben ohne Arbeit. Eine völlig neue Erfahrung für mich, die ich schon von Kindesbeinen an darauf konditioniert worden bin, in ‚Sicherheit‘ zu leben. Doch was ist Sicherheit? Ist Sicherheit eine Reserve an Monatslöhnen auf dem Bankkonto deponiert zu haben? Ist Sicherheit, sich die Luxuswohnung, die Reisen, die Kleider, das Auto und die künstliche Konsumsucht auch in solchen Zeiten zu erhalten? Ist Sicherheit, sich auch in dieser Zeit keine Blösse zu geben und den Schein des Seins zu wahren?

„Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint…“ höre ich von irgendwo den Song von Silbermond.

Ach, uns Eidgenossen, überhaupt uns Europäern, ist es so überaus wichtig, finanzielle Sicherheit zu haben. Eine Sicherheit, die uns aber gleichzeitig im goldenen Käfig einsperrt. Für diese Illusion rennen wir pausenlos und ohne Rast. Wir rennen von morgens bis abends, damit das Rad in Schwung bleibt, sich dreht und dreht und dreht. Wir wollen rennen und uns beschäftigen. Wir rennen und wir vergessen. Wir rennen und wir verlieren. Wir rennen und wir verbrennen. Vor lauter Anstrengung allerdings, vor lauter Geld und Sicherheit scheffeln, bemerken wir es nicht, dass wir verbrennen, innerlich erlöschen. Gedankenlos rennen wir, hasten, hetzen – als führten wir einen Feldzug im Namen der Sicherheit.

Doch wofür? Rennen wir fürs Geld? Rennen wir wirklich für das Leben, dass wir führen? Rennen wir, damit wir die unausgesprochenen Auflagen dieser Gesellschaft erfüllen? Oder ist es vielmehr so, dass ich, wir, in Tat und Wahrheit vor uns selber davon rennen? Vor dem was wir sind, vor dem was wir scheinen, vor dem was wir sein wollen  und vor dem was wir sehen, wenn wir uns morgens im Spiegel betrachten?

Jetzt, da ich mit einem gewaltigen Knall aus diesem Hamsterrad geschleudert worden bin, jetzt wird mir licht. Meine Welt steht plötzlich still. Es gibt keinen vorgegebenen Rhythmus mehr. Keinen Zeitablauf, keine Konstante, keine Hektik - ausser der selbstgemachten. Eine Hektik übrigens, die ist, wie das letzte Aufbegehren eines sterbenden Zwangs.

Und ich realisiere, dass diese ‚Sicherheit‘ eigentlich nichts anders ist, als eine Droge. Und ich nichts weiter als eine Süchtige. Denn kaum herausgeschleudert, kaum auf dem Boden aufgeschlagen, bin ich auf kaltem Entzug. Und immer wieder stellt sich mir die selbe Frage. Wer sind wir, wenn wir nicht Teil des ‚normalen‘ Ablaufs in einer ‚normalen‘ Gesellschaft sind? 
Wer bin ich?

Freitag, 24. Mai 2013

Zuckerwatteweiche Luftschlösser


Ich kann nicht aufhören deine Augen zu lesen, die immerzu neue alte Geschichten erzählen. Laute Worte bittersüss leise. Ihre Bilder sarkastisch, provozierend, sind so verletzlich und gnadenlos schockierend. Süffisant im einen Moment. Im Anderen grausam anklagend und so bitter mokierend.

Geheimnisse geheim. Bleiben verborgen, werden niemals enthüllt. Hinter Vorhängen flatternd sind schleierhaft, bleiben zeitlos und unerfüllt. Bis jetzt hab ich fantasiert, sie zärtlich sanft mit Fingerkuppen massiert. Kann sie weder zerstören noch aufdecken oder zum Leben erwecken. Will sie lieber vertraut, langsam und forschend entdecken.

Formen sind Phantasien, für mich geflüstert in Worten. Trau dich und entführ mich zu diesen entlegenen Orten. Träume sind unsere Schätze. Manche fremd und verführerisch mystisch, andere dagegen überraschend vertraut. Hab sie mir ausgeliehen und zu Zuckerwatte weichen Luftschlössern verbaut.

Und Blicke scheinen so fern. Sind tief wie Täler, von einem Berggipfel betrachtet. Wie soll ich es sagen? Wie kannst du's verstehen? Ohne sie, musst du wissen, kann ich diesen Weg nicht mehr gehn. Deshalb lass mich teilhaben. Ich will an deiner Seite alle Tiefen ergründen und spielerisch grotesk unsere Abgründe verbünden.

Augenblicke von gestern


Durch einen Zufall eher, kramst Du in der staubigen Kiste. Gerade eben hast Du sie auf dem Dachboden entdeckt. Findest ›Geschichten goldener Tage‹, stutzt erst – und liest.
Bist gekleidet in einen Anzug, dessen Form sich von der heutigen unterscheidet. Selbst dein Gehirn trägst du jetzt anders. Du weisst, es ist wahr. 
Du bist nicht mehr derselbe, so sehr du es versuchst. Es ist dieses Leben. Es hat dich vergilbt, Kratzer auf deiner Oberfläche hinterlassen. Matt bist du geworden, genauso wie das Buch in deinen Händen.
Ach, ich kann‘s mir schon denken. Ich kenne dich doch. 
Alles an mir erscheint dir altmodisch und von gestern: meine Art zu schreiben, meine Grammatik, meine Haltung, mein Herz.

Komm, erspar es mir! Klopf mir jetzt nicht auf die Schulter. Du weisst, das hab ich nicht gern.

Und eigentlich will ich bloss sagen, wie wir es gehabt haben, und so wie es gewesen ist... 
Doch du lächelst schweigend. Tonlos hallt meine Stimme, als sei sie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Du denkst es ist besser jetzt. Schweigen und lächeln. Schweigen und lächeln. Schwiegen und lächeln.
Gleichgütig bäumst du dich auf. Bläst auf alles. Und der Staub fliegt meterhoch. Du kannst gar nichts erkennen vor lauter Staub. Bist blind wie ein Maulwurf gerade.

Erneut setzte ich an und versuche es wieder. Mit einem anderen Thema diesmal. Doch wieso? Wir verstehen einander gar nicht. Ich bin wohl zu anders. Und Worte werden es nicht ändern…

Samstag, 18. Mai 2013

Berg


In deinem Schoss wurden Wolken geboren. An deinen Klippen sind Stürme gestorben.

Dir zu Füssen hab ich gesessen, ehrfürchtig und klein. War glücklich mit dir und hab träumend Tausend deiner Gesichter gesehen. Du hast mit dem Wind deine Geschichte erzählt – Worte über dich haben nie existiert.

Und in deinem Schoss wurden Wolken geboren. An deinen Klippen sind Stürme gestorben.

Dir zu Füssen hab ich gesessen, ehrfürchtig und staunend. Hab mich an dich geschmiegt, sehnsuchtsvoll und still. Wollt immer so sein wie du. Ruhend, mächtig und stark. Hast die Zeit überdauert – deine Jahre haben nie existiert.

Und in deinem Schoss wurden Wolken geboren. An deinen Klippen sind Stürme gestorben.

Dir zu Füssen hab ich gesessen, ehrfürchtig auch traurig. Doch du hast mir Hoffnung geschenkt als es keine Hoffnung mehr gab. Hast meine Schmerzen gefangen und sie als Wolken dem Himmel geschenkt. So als hätten sie nie existiert. 

Mondschein Nächte


Brich diese alten Mauern ein
Lass das Licht des Mondes rein
Ein Hauch von Rettung für diese Seele
Intimer Moment, den ich mit Dir stehle
Umarmung verschmilzt zum Einssein
Unsere Küsse süss wie schwarzer Wein

Brich diese alten Mauern ein
Lass das Licht des Mondes rein
Erzählte Geschichten erleuchten die Nacht
Stehlen der Dunkelheit ihre bedrohliche Macht
Die Magie des Augenblicks ergreifen
Träumend durch Russlands Steppen schweifen

Brich diese alten Mauern ein
Lass das Licht des Mondes rein
Kontur die zu schnell über die Dächer flieht
Und sich hinter unsichtbare Wolken stiehlt
Während Du warm in meinen Armen schlummerst
Habe ich Ruhe zum Takt Deines Herzschlags gefunden

Bitte, brich diese alten Mauern ein
Und lass das Licht des Mondes für mich herein

Dienstag, 7. Mai 2013

Liebe


Liebe. Sich lieben. Schwingung, Klang und Musik. Sinfonie transzendiert zu Harmonie.

Liebe. Man kann sie komponieren, von ihr träumen oder sie singen. Dank ihr kann man die Welt vergessen und durchs Leben tanzen. Ihre Melodien durchdringen Wände und überwinden Distanzen.

Liebe. Sie bewegt unsere Herzen, vereinnahmt unsere Gedanken und lässt Kriege sterben und Völker sich finden. Ihre Gesichter, vielseitig und wundervoll, ganz wie unsere menschlichen Seelen.

Und wenn ein Dirigent seinen Taktstock hebt, sich kurz vor dem ersten Ton knisternde Spannung aufbaut, tropfen den Liebenden Schweissperlen von der Stirn, während sie sehnsuchtsvoll warten, endlich in einem endlosen Kuss zu versinken.

Bewegung der Hände, beschwörend und wild. Lieben. Sich lieben. Sinnliche Violinen. Ihre Klänge so süss und schmeichelnd. Intimes Gleiten entlang gerippter Saiten. Klänge im verführerischen Spiel mit harten Schlägen der Perkussion. Eben noch wirr,streitbar und laut, bald ungestüm, bald selig verschmolzen - sind Eins. Klänge der Liebe sind mein Sauerstoff, Klänge der Liebe sind meine Harmonie.

Liebende sind jungen Herzens. Rotwein aus der Flasche getrunken, lauschen den Melodien. Gefühle und Sehnsüchte in andächtiger Stille, Seite an Seite, endlich vereint. Zukunft ist Endlos. Genossen und gelebt, bis zum letzten flüchtigen Ton. Wiedergeboren in der Ewigkeit.

Montag, 22. April 2013

Meine Erkenntnis I


Uns macht es Angst an Tempo zu verlieren, denn diese hochmoderne Gesellschaft befindet sich in Lichtgeschwindigkeit auf der 'Überholspur'. 
Träumereien, Grübeleien, Philosophiererei – belächelt von uns konditionierten Einheitsgeistern – sind nichts weiter als esoterisch-lächerliche „Gspürschmi“ Allüren. 
Doch eines habe ich für mich erkannt. Je schneller wir uns in dieser Gesellschaft bewegen, je weniger werden unsere Herzen wissen. 

Dienstag, 9. April 2013

Freundschaft I


Für Jochen
Du bist der Sonnenschein an dunklen Tagen
Bist ein Wolf und streifst Deiner Natur gemäss durch das Revier
Manchmal suchst Du dich, manchmal findest Du dich, manchmal erfindest Du dich
Du bist der Mensch der Tausend Worte, doch sind Deine Botschaften Quellwasser für mich
Du treibst im Fluss des Lebens und ruhst beneidenswert friedlich in Dir selbst
Hast mich schon lange erkannt, mich noch vor meiner Geburt beim Namen genannt
Du bist der Mensch, der so bescheiden ist und gleichzeitig die Kraft und Stärke in Person
Bist für mich das Heilen, ach ich möcht' bei jedem Tanz in Deiner Umarmung verweilen
Ich hab Dich gesucht aber Du hast mich gefunden und adoptiert
Du bist immer für mich da, egal, was auch passiert
Wir beide sind Freunde, gehören zusammen wie Sonne und Schatten
Ja, Du hast mich erkannt, Du hast mich bei meinem Namen genannt
Wie oft schon hast Du mich ironisch aber sanft von eigenen Fesseln befreit
Wir sind im Herzen verbunden und ich weiss, das gilt bis ans Ende unserer Lebenszeit

Liebe

Liebe muss ihrer Existenz willen so sehr lieben, dass sie selbst die grösste Verletzung erträgt, nur um in diesen einen flüchtigen Moment entflammen zu können...

Das Herz der Weisen

Im Herz der Weisen gibt es keine geschlossenen Türen.
Jeden Morgen begrüssen sie die Freude, die Depression, die Ungerechtigkeit oder Sorgen wie einen unerwarteten Gast. 

Trübe Gedanken, Scham, Hoffnung, Unsicherheit oder Wut. Sie alle werden an der Türschwelle mit einem offenen Lächeln begrüsst.
Im Herz der Weisen gibt es keine geschlossenen Türen und alle Gäste sind willkommen, weil sie als Wegweiser zu uns gefunden haben...

Tränen


Die Träne fliesst vom oberen Rand der Augenhöhlen, zum inneren Augenwinkel über den Tränensack in den Tränennasengang. Von dort gelangt sie in die Nasenhöhle. Wenn wir von etwas sehr betroffen sind, werden die Tränen durch einen Nervenreiz ausgelöst.
Weibliche Tränen sind um ein halbes Grad wärmer als männliche, geschmeidiger und fliessen schneller.
Manchmal erlebt ein Träumender, dass er nicht nur davon träumt zu weinen, sondern auch im Schlaf beziehungsweise beim Träumen wirklich Tränen vergiesst. Ein solcher Tränen-Traum mit realen Tränen kann unter Umständen ein Hinweis auf eine psychische Verletzung oder ein Trauma beim Träumenden sein. Durch das Weinen während des Schlafens kann sich zeigen, dass die psychische Verletzung als Grund für die Tränen auch im realen Leben besteht...

Sonntag, 24. März 2013

Reisender


Ich bin die letzte, die einen Reisenden aufhält - aber die erste, die ihn bei der Heimkehr mit offenen Armen empfängt.

Samstag, 23. März 2013

Dienstag, 5. März 2013

Wie viel?

Wie viel Macht gibst Du deiner Vergangenheit
Wenn sich Deine Erinnerungen zu Bergen auftürmen
Und Dir die Sicht auf die Gegenwart versperren?

Wie viel Macht gibst Du deinen Verletzungen
Wenn Du Dich nicht erträgst und nicht anders kannst
Als vor Deinem Spiegelbild zu flüchten?

Wie viel Macht gibst Du deinen Ängsten
Wenn sie Dich vom Glück des Augenblicks abhalten
Und Dich so der Süsse deines Lebens berauben?

Wie viel Macht gibst Du Menschen, die Dich nicht erkennen
Wenn Du einen Multiplikator für Dein Leiden suchst
Weil Du glaubst, es sei der einzige Weg etwas zu fühlen?

Wie viel Macht überlässt Du dem selbst geschnürten Korsett
Wenn Du denkst, keine Luft mehr zu bekommen
Weil Du nicht anders kannst als zu leiden?

Wie dumm Du doch bist, das alles zu ertragen!
Wenn doch alles was Du zur Heilung brauchst
Genau in dieser Sekunde vor Dir steht?

Dienstag, 26. Februar 2013

Vollkommen Frau

Und Du denkst ich sei zu nett
Weil ich ein Meer von Liebe in mir trage

Und Du denkst ich sei zu einfach
Weil ich der Welt nichts mehr beweise

Und Du denkst ich sei zu naiv
Weil ich mich längst nicht mehr verstelle

Und Du denkst ich sei zu verständnisvoll
Weil ich angekommen bin

Und Du denkst, es gibt nichts was Dich reizt
Weil ich bin, wie ich eben bin

Aber was Du nicht über mich weißt ist
Ich hab diese Kriege lange vor Dir geführt

Auch Du wirst eines Tages diesen Boden betreten
Und wissen, wie falsch Du doch lagst

Denn heute bin ich vollkommen Frau
Und genau das macht mich so stark

Mittwoch, 20. Februar 2013

Konduktor

Alte Geschichte
Gleich wie immer
Zu viel gewünscht
Zu viel geträumt

Ein Leiter
Ich bin nur ein Leiter
Mit Elektrizität
Die mich durchströmt

Gewohnheit
Alte Gewohnheit
Kaue Nägel
Während Du gehst

Ein Leiter
Bin ein simpler Leiter
Mit Elektrizität
Die mich durchströmt

Neue Geschichte
Gleich wie immer
Nie zu viel geliebt
Nie zu viel gegeben 

Dienstag, 19. Februar 2013

Gummistiefel aus Kindertagen

Und einst waren wir wie Pech und Schwefel
Entdeckten die Welt in Gummistiefeln
Tagein, tagaus nur Abenteuer
Alles war leicht, das Leben voll Sonne

Sorglos waren wir und unkompliziert
Kinderherzen tanzten Reigen der Neugier
Erste Reisen, erste Schmetterlinge
Alles hatten wir wie Schwestern geteilt

Und auf einmal ist alles so anders
Erkenne Dein Gesicht nicht wieder
Wo sind unsere neuen alten Geschichten
Wir schreiben keine Kapitel mehr

Und Gummistiefel aus Kindertagen
Sie sind vergilbt und spröde geworden
Ich vermiss die alten Geschichten
Und die Kinder, die wir einst waren

Mittwoch, 9. Januar 2013

Gegangen

Einsam. Einsam wie nie zuvor. Alleine im Mekong River. Fremde Sprache zwischen Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Tränen bedecken den Tisch, salzen den Reis in meinem Teller. Keine Umarmung, keine Schulter, kein Trost. Chansons im Radio neigen sich dem Ende. Nur das Ächzen des Kühlschranks tränkt das Vakuum an diesem Tag. Es ist der Tag, an dem ich erfuhr, dass Du diese Welt verlassen hast.

Ich weiss, du würdest nicht wollen, dass ich um dich weine. Und doch hättest du Verständnis. Weil du warst, wie du eben warst.

Ich werde dich vermissen, und besonders deine Stärke für diese Welt.