Freitag, 24. Mai 2013

Augenblicke von gestern


Durch einen Zufall eher, kramst Du in der staubigen Kiste. Gerade eben hast Du sie auf dem Dachboden entdeckt. Findest ›Geschichten goldener Tage‹, stutzt erst – und liest.
Bist gekleidet in einen Anzug, dessen Form sich von der heutigen unterscheidet. Selbst dein Gehirn trägst du jetzt anders. Du weisst, es ist wahr. 
Du bist nicht mehr derselbe, so sehr du es versuchst. Es ist dieses Leben. Es hat dich vergilbt, Kratzer auf deiner Oberfläche hinterlassen. Matt bist du geworden, genauso wie das Buch in deinen Händen.
Ach, ich kann‘s mir schon denken. Ich kenne dich doch. 
Alles an mir erscheint dir altmodisch und von gestern: meine Art zu schreiben, meine Grammatik, meine Haltung, mein Herz.

Komm, erspar es mir! Klopf mir jetzt nicht auf die Schulter. Du weisst, das hab ich nicht gern.

Und eigentlich will ich bloss sagen, wie wir es gehabt haben, und so wie es gewesen ist... 
Doch du lächelst schweigend. Tonlos hallt meine Stimme, als sei sie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Du denkst es ist besser jetzt. Schweigen und lächeln. Schweigen und lächeln. Schwiegen und lächeln.
Gleichgütig bäumst du dich auf. Bläst auf alles. Und der Staub fliegt meterhoch. Du kannst gar nichts erkennen vor lauter Staub. Bist blind wie ein Maulwurf gerade.

Erneut setzte ich an und versuche es wieder. Mit einem anderen Thema diesmal. Doch wieso? Wir verstehen einander gar nicht. Ich bin wohl zu anders. Und Worte werden es nicht ändern…

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